VDI-Fachbeirat stoppt Expertenempfehlung zur adiabaten Verdunstungskühlung

Frank Jansen, Geschäftsführer VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik: „Die Dringlichkeit dieser Angelegenheit ist allen Bewusst.“ (Abb. © VDI)

Der VDI-Fachbeirat TGA hat auf einer Sondersitzung die Freigabe der VDI-Expertenempfehlung zur adiabaten Verdunstungskühlung in RLT-Geräten verweigert. Stattdessen empfiehlt er, mit hoher Dringlichkeit eine VDI-Richtlinie zu erarbeiten. Hintergrund ist die umstrittene Einstufung unter die 42. BImSchV, bei der sich LAI und Hersteller uneinig und Betreiber verunsichert sind.

Es wird keine Expertenempfehlung des VDI zur adiabaten Verdunstungskühlung in RLT-Geräten geben. Das hat Frank Jansen, Geschäftsführer VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik, bestätigt. „Der TGA-Fachbeirat hat das auf einer Sondersitzung am 22. Dezember mit eindeutiger Mehrheit so entschieden“, erklärte Jansen vergangene Woche auf Nachfrage von cci Branchenticker.

Der Fachbeirat habe die Freigabe für das schon druckfertige Werk verweigert, weil das Thema so wichtig sei, dass er eine Expertenempfehlung nicht für das richtige Instrument halte, um bei dieser komplexen Thematik Klarheit zu schaffen. Anstelle einer Expertenempfehlung soll nun auf deren Basis eine VDI-Richtlinie erarbeitet werden, die die Chance habe, zur anerkannten Regel der Technik zu werden.

Anlass, eine Expertenempfehlung zur adiabaten Verdunstungskühlung überhaupt zu erstellen, waren die Diskussionen um die Frage, ob die adiabate Verdunstungskühlung in RLT-Geräten in den Geltungsbereich der 42. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchV) fallen oder nicht. Dazu sagt die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz (LAI) Ja, viele Hersteller und Betreiber entsprechender Anlagen sehen das anders. Im Mittelpunkt der Kontroverse steht die Antwort auf Frage 3.1.6 im LAI-Auslegungskatalog.

„Die Expertenempfehlung trifft ausdrücklich keine Aussage zur Einstufung von Anlagen in den Anwendungsbereich der 42. BImSchV“, hatte Guido Hilden als einer der Aktivposten rund um die Expertenempfehlung schon im Herbst 2025 gesagt (siehe cci305863). Unterschiedliche Auslegungen würden weiter bestehen bleiben.

Insofern ist es vielleicht gar keine schlechte Nachricht, dass anstelle einer Expertenempfehlung nun eine VDI-Richtlinie erstellt werden soll, kann Jansen dem Ganzen durchaus etwas Positives abgewinnen. Ein entsprechender Antrag könnte auf der nächsten Sitzung des TGA-Fachbeirats im April gestellt werden. Der offizielle Start erfolgt laut Jansen „hoffentlich noch vor der Sommerpause“. „Die Dringlichkeit ist allen bewusst“, betont Jansen und hofft auf rasche Fortschritte. Einen Weißdruck sieht er dieses Jahr indes noch nicht.

Es gehe nun darum, alle Stakeholder in den Richtlinien-Ausschuss zu integrieren, einschließlich eines Vertreters der LAI. Das will Jansen proaktiv vorantreiben und hat, sobald die formalen Voraussetzungen für den Start eines Richtlinienprojekts vorliegen (Antragstellung und Genehmigung im Fachbeirat), sowohl einen „Call for noses“ angekündigt, wie auch die direkte Ansprache weiterer wichtiger Experten, zum Beispiel aus Verbänden, die sich mit dem Thema befassen. Den Vorsitz des Richtlinienausschusses übernehme idealerweise ein Mitglied, das sowohl mit der VDI 2047 Blatt 2 „Rückkühlwerke – Sicherstellung des hygienegerechten Betriebs von Verdunstungskühlanlagen (VDI-Kühlturmregeln)“ (2019) als auch mit der VDI 6022 Blatt 1 „Raumlufttechnik, Raumluftqualität – Hygieneanforderungen an raumlufttechnische Anlagen und Geräte (VDI-Lüftungsregeln)“ (2018, Berichtigung 2023) vertraut sei. Aber das ist letztendlich eine Entscheidung des noch zu gründenden Gremiums.

cci315045

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