Meinung: Forschungsergebnisse müssen zugänglich sein

(Abb. © cci Dialog GmbH)
Dr. Manfred Stahl (Abb. © cci Dialog GmbH)

Jedes Jahr fördern verschiedene Ministerien Forschungsprojekte mit vielen Millionen Euro. Ausgeführt werden diese meist von Instituten, oft auch in Zusammenarbeit mit Unternehmen aus Industrie und Wirtschaft. Doch bei der Verbreitung von Ergebnissen solcher Forschungsprojekte in die Fachöffentlichkeit sehe ich, zumindest im Bereich der LüKK, noch viel Luft nach oben. Wie könnte man diesen unbefriedigenden Zustand verbessern?

Forschungsprojekte sollten meiner Meinung nach stets zum Ziel haben, einen besonderen Aspekt zu untersuchen, der dann ein Produkt, ein System, ein Verfahren oder eine Anwendung verbessert. Bezogen auf die LüKK sind das zum Beispiel Wirkungsgradverbesserung an Verdichtern, Ventilatoren, Klimageräten oder Wärmepumpen und auch, wie ausführlich in cci Zeitung 6/2024 (erscheint am 8. Mai) berichtet wird, ein neu entwickeltes Verfahren „RLT-Opt“ zur gesamtheitlichen energetischen Beurteilung und Optimierung von RLT-Anlagen. Bei der Forschung geht es somit um Innovationen, deren Umsetzen in die Praxis unserer Industrie und Wirtschaft einen (technologischen) Vorsprung gegenüber Wettbewerbern ermöglicht und durch Energieeinsparungen einen Beitrag zur Minderung von Emissionen und somit zum Umweltschutz leisten. Dies ist für mich der Sinn und Zweck der Forschung.

Sobald solche Forschungsvorhaben mit staatlichen Geldern gefördert werden, ist es nach meinem Verständnis verpflichtend, dass die Ergebnisse den jeweiligen interessierten Kreisen quasi als „Allgemeingut“ öffentlich zugänglich gemacht werden. Und an dieser Stelle sehe ich noch erheblichen Verbesserungsbedarf. Ich gehe davon aus, dass es in der LüKK pro Jahr viele abgeschlossene Forschungsprojekte gibt, von denen die Branche nichts erfährt. Die Forschungsnehmer erstellen ihre Abschlussberichte, senden diese zum Forschungsgeber, und dort verschwinden sie oft ohne Informationen in die Fachöffentlichkeit in den Archiven. Zugegeben, diese Aussage ist hart, pauschalisierend und auch spekulativ, denn sie basiert auf keiner gesicherten Daten- oder Faktengrundlage. Aber es gibt auch Ausnahmen. So erhält unsere Redaktion durchaus von Pressestellen professioneller Forschungsstellen wie zum Beispiel den Fraunhofer-Instituten, und auch von Hochschulen, zu denen die Redaktion gute Kontakte hat, Informationen zu solchen Projekten. Doch das ist recht selten.

Ich empfinde diese Situation als unbefriedigend und habe dazu einen Verbesserungsvorschlag. Jeder Forschungsnehmer sollte im Forschungsvertrag dazu verpflichtet werden, in einer kurzen Zusammenfassung über die wichtigsten Ergebnisse des Projekts zu berichten. Zu deren Verbreitung bieten sich dann zum Beispiel Social-Media-Kanäle an, aber auch gezielte Informationen an zuständige Verbände und Organisationen sowie an die Fachpresse. Die Redaktion von cci Zeitung und von cci Wissensportal würde bei Kenntnis interessanter LüKK-Forschungsprojekte diese aufgreifen, gegebenenfalls weiter recherchieren und sie dann den Lesern vorstellen. Ich sehe eine solche Informationspflicht zu Forschungsergebnissen übrigens als „Bringschuld“ der Forschungsnehmer und nicht als eine „Holschuld“ zum Beispiel der Fachpresse, die dazu mit unverhältnismäßig großem Aufwand recherchieren müsste.

Ihr Dr. Manfred Stahl
manfred.stahl@cci-dialog.de

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4 Kommentare zu “Meinung: Forschungsergebnisse müssen zugänglich sein

  1. Sehr geehrter Herr Dr. Stahl,
    gerne möchte ich als Vertreter der FLT Forschungsvereinigung für Luft- und Trocknungstechnik e.V. einen wichtigen Aspekt von Forschungsarbeit ergänzen. Neben der von Ihnen genannten Optimierung von Produkten, Systemen und Verfahren leistet unsere vorwettbewerbliche Gemeinschaftsforschung seit 1964 einen ganz wesentlichen Beitrag zur Grundlagenforschung in unserer Branche. Diese Forschung wird nicht nur von Fördermitteln getragen, sondern ganz wesentlich vom Engagement, Mitarbeit und den Mitteln der beteiligten Unternehmen. Diese Unternehmen gehen in Vorleistung dadurch, dass sie ergebnisoffene Forschung deren Nutzen ggf. Jahre in der Zukunft liegt aktiv unterstützen.
    Der Nutzen der Forschungsarbeit liegt dabei nur teilweise in den Ergebnisberichten, sondern eben auch in der Praxisorientierung der Forschung, dem Aufbau eines starken Forschungsnetzwerkes über 20 Forschungsstellen in ganz Deutschland hinweg, der Ausbildung von gutem Nachwuchs der der gesamten Branche zugutekommt und der Finanzierung von Forschungsstellen durch eben diese Forschungsmittel zuzüglich der Mittel der Mitgliedsunternehmen. Das Geld fließt also in die eigenen Universitäten zurück! Zudem bietet eine Gemeinschaftsforschung auch kleineren Unternehmen die Möglichkeit an der Spitzenforschung aktueller Aufgabenstellungen teilzuhaben bzw. diese mitzugestalten.
    Der Verpflichtung der Veröffentlichung der Ergebnisse kommen wir natürlich nach indem an öffentlich zentralen Bibliotheken alle Forschungsergebnisse hinterlegt werden. Zahlreiche Beiträge auf Fachkonferenzen, meist durch die Forschungsstellen selbst, verweisen regelmäßig auf diese Berichte. Der Nutzen für Mitgliedsfirmen der Forschungsvereinigung erschöpft sich jedoch nicht in dem zeitlichen Vorsprung des Erhalts der Ergebnisse, vielmehr ist es die aktive Zusammenarbeit miteinander und mit den Forschungsstellen die aus unserer Arbeit eine Erfolgsgeschichte machen.
    Ihren Hinweis auf mehr Präsenz in den sozialen Medien nehmen wir gerne auf. Aktuelle Berichte aus den laufenden Projekten bereiten wir bereits auf einem eigenen Kanal vor. Ein Beitritt und Mitarbeit in den Forschungsprojekten der FLT steht jedem Unternehmen offen und ist stets willkommen.

  2. Lieber Manfred,
    vielen Dank für Deinen ausgezeichneten Kommentar, in dem Du zurecht kritisierst, dass viele TGA-Forschungsaktivitäten „im stillen Kämmerlein“ stattfinden und Forschungsergebnisse keinen Zugang in die Praxis finden. Dein Vorschlag, den Du aus dieser wahrlich nicht zufriedenstellenden Situation dargestellt hast, nämlich Zuwendungsempfänger zur Berichterstattung zu verpflichten, ist sehr gut, in hohem Maße zielführend, unstrittig praktikabel – aber nicht neu. Schon vor vielen Jahren wurde, vom damaligen Bundesforschungsministerium finanziert und vom FGK entwickelt und organisiert, das FIA-Projekt Forschungs-Informations-Austausch betrieben. Zuwendungsempfängern wurde seitens des Forschungsministeriums in den Nebenbestimmungen auferlegt, regelmäßig an FIA über den Stand des laufenden Forschungsprojektes zu berichten, Zwischenberichte und der Abschlussbericht wurden über FIA veröffentlicht. Über die regelmäßig herausgegebenen FIA-News wurde die Fachwelt laufend über die vielen TGA-Forschungsaktivitäten informiert, in FIA-Workshops und -Veranstaltungen – häufig im Wissenschaftszentrum Bonn oder im Forschungszentrum Jülich durchgeführt – wurden ausgewählte Themen vertieft behandelt. Die Fachwelt nahm die vielen Infos dankend an, die Zuwendungsempfänger konnten durch FIA ihre Reputation deutlich steigern. Nach Wechsel bzw. Ausscheiden der verantwortlichen Personen im Forschungsministerium wurde das FIA-Projekt leider eingestellt. Ein Wiederbeleben wäre angezeigt und wünschenswert.

  3. Ich stimme der Meinung von Dr. Stahl weitgehend zu. In den Zuwendungsbescheiden für öffentliche Fördermittel ist eine Publikationspflicht explizit verankert. Die Berichte sind öffentlich zugänglich. Dies betrifft aber nur Übersichtsdarstellungen. Für Verwertungsrechte und technische Details gibt es zentral eigene Richtlinien und danach wird so etwas jeweils in Verträgen geregelt. In diesem Sinne sind die Ergebnisse also nicht automatisch „Allgemeingut“.

    Hier geht es also mehr darum, WO die Ergebnisse publiziert werden. Den Forschungseirichtungen werden ihre Publikationen nur in ausgewählten Zeitschriften bzw. Konferenzen voll anerkannt, z. B. für Graduierungen (Master, Dissertation) oder neue Anträge auf Forschungsförderung. Dort wird ein Peer-Review-Verfahren sowie eine vordere Position im Ranking der Zeitschriften / Konferenzen verlangt, das z. B. die Häufigkeit internationaler Zitate bewertet. Solche Medien werden wiederum von Praktikern kaum wahrgenommen. Das Problem beruht also auf Gegenseitigkeit, weil Forscher und Praktiker in unterschiedlichen Kanälen kommunizieren. Unser Team tritt daher seit Jahren auch auf Messen auf. Aber auch dort hält sich das Interesse der Praxis an Forschung in Grenzen.
    In anderen Branchen (Automobil-, Halbleiterindustrie) funktioniert diese Kommunikation in beide Richtungen besser, d. h. dort ist auch das Interesse der Industrie an Forschungsergebnissen stärker. Das gilt teilweise auch für deren Fachverbände (organisieren selbst Projekte).

    Ich begrüße die Initiative von Dr. Stahl ausdrücklich. Und die Forschungseinrichtungen sollten durchaus den ersten Schritt tun. Dazu müsste diese (zusätzliche) Möglichkeit zur Erfüllung der Publikationspflicht „nur“ stärker in das allgemeine Bewusstsein gerückt werden, z. B. mit einer speziellen Forschungs-Rubrik. Ich persönlich wäre auch dafür, solche Publikationen für Graduierungen ebenfalls anzuerkennen.
    Wir sollten aber auch Ideen entwickeln, welche Schritte auf den ersten Schritt folgen könnten. In der Halbleiterindustrie gibt es z. B. „umgekehrte Konferenzen“. Dort berichten nicht Anbieter (z. B. Forscher) über ihre Ergebnisse, sondern Praktiker über ungelöste Probleme. Auch das kann ein Einstieg in interessante Diskussionen sein und würde zum Namen „cci Dialog“ gut passen.

  4. Ich kann die Verbesserungsvorschläge von Herrn Stahl nur unterstützen.
    Wir haben in den letzten 8 Jahren vier Forschungsprojekte aus der TGA-Technik als Industriepartner begleitet.
    Nur bei unserem aktuell abgeschlossenen Projekt RLT-Opt gab es eine Veröffentlichung über CCI Dialog.
    Wir haben aber auch Fachverbände, die sich mit diesen Ergebnissen auseinandersetzen sollten.
    Ich denke, hier gibt es eine große Baustelle, um dass Wissen in unserer Branche zu verbreiten.

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