cci Forum: Mindestluftgeschwindigkeiten in Luftleitungssystemen

Ich meine, irgendwo einmal gelesen zu haben, dass die Luft in Luftleitungen eine Geschwindigkeit von mindestens 3,2 m/s haben sollte. Dadurch soll sichergestellt werden, dass sich Partikel etc. nicht an der Leitungswand absetzen und bis zum Filter beziehungsweise bis zum Luftdurchlass transportiert werden. Weiß jemand, in welcher technischen Regel diese Aussage zu finden ist?

Antworten der Leser

1.
Ich bin der Meinung, dass die Angabe von 3,2 m/s im Kanal eine Forderung der VDI6022 ist. Konnte dies aber leider nicht entsprechend in der Norm finden.
Wir haben derzeit eine RLT-A installiert, wonach die Vorgabe des Planungsbüros darin bestand, dass alle Kanalsysteme mit 2 m/s zu fahren sind. Dies wurde mit „Energieeinsparung“ begründet. Wir haben hierzu Bedenken angemeldet und konnten rechnerisch nachweisen, dass das Kanalsystem mit seinen Massen, bei einer üblichen Geschwindigkeit in den Hauptkanälen von 5 m/s, um ca. 12.000,00 € (Kanal- und Formteil) Materialkosten reduziert hätte werden können. Diesem haben wir die angebliche Energieeinsparung der Ventilator-Motoren entgegengesetzt und haben errechnet, dass ca. 280,00 €/Jahr eingespart werden können. Rechnet man dies nur auf 10 Jahre hoch, ist die Begründung des Planungsbüros eher mit Augenzwinkern zu betrachten.
Hinzu kommt, dass es sich bei der Abluft um Absaugung von Nassräumen (Duschen in einer Sporthalle) handelt. Die nachströmende Luft soll über ein Wickelfalzrohrsystem (ohne Gebläse) aus der Sporthalle transportiert werden. Und dass alles mit 2 m/s  im Kanalsystem.
Unsere Bedenken wurden nicht geteilt und der Bauherr verließ sich auf das Planungsbüro. Die Mehrkosten wurden in Kauf genommen, ebenso die baulich bedingten Mehrkosten wie Trockenbau-Verkleidung, etc. Wir sind auf die Inbetriebnahme gespannt und haben etwaige Mängel abgelehnt.
Stefan Dähn, Dähn Dienstleistungs- GmbH

2.
Anforderungen an Mindestluftgeschwindigkeiten in Luftleitungen sind mir nicht bekannt. In der Regel werden heute zur Energieeinsparung niedrige Luftgeschwindigkeiten bevorzugt. In der aktuellen Ausgabe des Recknagel werden folgende Luftgeschwindigkeiten für Komfortklimaanlagen und Industrieanlagen in m/s empfohlen:

  Komfortklimaanlagen Industrieanlagen
Hauptleitungen 4 – 8 8 – 12
Abzweigleitungen 3 – 5 5 – 8
Abluft- /Umluftfilter 1,5 – 2,0 3 – 4

In verschiedenen Normen und Richtlinien finden sich hiervon zum Teil leicht abweichende Werte, ich würde jedoch die oben stehenden Werten als Grundlage einer fachgerechten Planung betrachten, sofern mit dem Bauherrn keine abweichenden Regelungen getroffen wurden.
Auf das Foto mit der verstaubten Luftleitung bezogen würde eine Mindestluftgeschwindigkeit von 3,2 m/s nicht zu sauberen Leitungen führen. Hierfür bräuchte es schon Luftgeschwindigkeiten, wie diese von Staubsaugern erzeugt werden, im Bereich von 20 m/s. Hoffentlich handelt es sich bei der abgebildeten Luftleitung um eine Ab-/Fortluftleitung, andernfalls wäre die Anlage nicht fachgerecht betrieben, inspiziert und gewartet worden.

Dipl.-Ing. Georg Tale-Yazdi, Sachverständigenbüro Tale-Yazdi, Schöneck

2.
Ich habe mal gelernt und halte mich auch heute noch wenn möglich dran:
Ø  Hauptkanäle ca. 7 m/s
Ø  Nebenkanäle / Verteilung ca. 5 m/s
Ø  Anschlusskanäle / Zuleitung zu Luftauslässen 3 m/s
Ich hatte bisher noch keine Probleme bei meinen Planungen.

Günther Ottinger, Löser+Körner Architekten+Generalplaner GmbH, Nürnberg

3.
Aus energetischen Gründen ist es besser, die Luftgeschwindigkeit in einer Luftleitung so gering wie möglich einzustellen. Wenn die Luftgeschwindigkeit in einer Luftleitung zum Beispiel von 5 m/s auf 2,5 m/s verringert wird (durch den Einsatz größerer Luftleitungen oder bei einer Verringerung des Luftstroms im VVS-Betrieb), sinkt dadurch der Druckverlust in der Luftleitung mit der zweiten Potenz auf 25 % und die Leistungsaufnahme des Ventilators mit der dritten Potenz auf 12,5 % des ursprünglichen Werts.

Redaktion von cci Branchenticker

4.
Wenn ich einen Bauherrn finde, der die großen Kanäle zahlt und den Architekten (von denen es in unserem Haus genügend gibt), der mir freiwillig den Platz gibt, dann verringere ich gerne die Geschwindikeiten und spare damit Energie. Aber wie viel Energie muss ich einsetzen, um das Mehr an Material herzustellen, zu liefern und einzubauen damit das Ganze auch wirklich Sinn macht? Ich versuche das immer im Gesamten zu sehen. Energiesparen um jeden Preis kann nicht immer die Lösung sein.

Günther Ottinger, Löser+Körner Architekten+Generalplaner GmbH, Nürnberg, 15.09.2015
 

5.
Zum Thema Wirtschaftlichkeit ist in der HLH August 2015 ein Artikel von Prof. Dr.-Ing. Kriegel und M.Sc Schaub vom HRI erschienen. Hier wird auch auf die Abhängigkeiten zwischen Investitionskosten und Energiekosten im Bezug auf Luftgeschwindigkeiten und Gesamtanteil der Formstücke im Kanalsystem eingegangen.

Rolf Tschersich, 15.09.2015
 

6.
Herrn Dipl.-Ing. Georg Tale-Yazdi (Antwort 2) kann man nur zustimmen. Die Dimensionierung von Lüftungskanälen/Rohren hat nach dem Lüftungssystem zu erfolgen. Druckverlust und Akustik sind dabei zu berücksichtigen. Die Komponenten des Lüftungssystems, wie die Formstücke, Schalldämpfer, Brandschutzklappen etc., sind die Teile, die mit hohen Druckverlusten die Ventilatorleistung erhöhen.
Die Planung eines Lüftungssystems ist deshalb nicht nur von der Kanalgeschwindigkeit, sondern unter Berücksichtigung vieler Aspekte vorzunehmen. DIN-Normen sind hier nicht hilfreich, vielmehr eine gute Ausbildung und Erfahrung aus der Praxis. Auf zahlreiche Fachliteratur kann hierzu hingewiesen werden.

Hermann Kaufer Dipl.Ing. (FH) ö.b.u.v. Sachverständiger für Lüftungs- und Klimatechnik, 16.09.2015


7.
In den Kommentaren werden die niedrigeren Energiekosten bei geringeren Luftgeschwindigkeiten angesprochen. Demgegenüber stehen aber die Mehrkosten für größere Lüftungsleitungen und die Kosten für den größeren Platzbedarf im umbauten Raum. Das Ergebnis einer Amortisationsrechnung, bei der diese Aspekte berücksichtigt werden, wäre interessant.

Ing. Alfred Fessl, Consulting& Engineering für TGA, Wien

8.
Wir haben auch früher eine feste Geschwindigkeit verwendet, aber heute machen wir energiefreundliche Lüftungssystemen, und da haben wir gefunden, dass es viel einfacher ist, den spezifischen Druchverlust zu verwenden, 0,6 Pa/m. Das gibt:

(Quelle: Exhausto)
Henning Grønbæk, Exhausto A/S, Dänemark

Artikelnummer: cci40648

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